Biogas

Strom und Wärme aus Gülle

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis




Grundlagen der Biogastechnik

     

                        Biogas gestern und heute 

                        Der allgemeine Verfaulungsprozeß                                                     

 

Die Historie

                   

                        Die historischen Wurzeln der Biogastechnik                                       

                        Anfänge der landwirtschaftlichen Biogas-Bewegung                               

                        Die folgen der Ölkrise 1972/73                                                                                           

                        Das Stromeinspeisegesetz 1990 und die Novellierung im

                        Erneuerbaren Energiengesetz 2000                                                       

                        Gesetzliche Rahmenbedingungen

 

Der Biogasprozess                 

 

                        Der allgemeine Ablauf der Biogasgewinnung 

                        Der Weg der Gülle zum Strom und zur Wärme (Schema)

                        Chemische Erläuterung zum Biogas

                        Herstellung von Biogas als ein Schüler-Experiment  

 

Biogas - eine umweltfreundliche Alternative mit nur noch wenigen Hindernissen

 

                       Ziele des Biogasverfahrens 

                       Was muß man beim Erzeugen von Biogas beachten 

                       Standortvorraussetzungen 

                       Checkliste für potentielle Betreiber von Biogasanlagen 

 

Biogasanlagen in der Marktwirtschaft

 

                       Wirtschaftlichkeit / Finanzierung 

                       Biokraftanlagen - eine andere Dimension : farmatic biotech energy ag

                       Marktakzeptanz von Biogasanlagen in Abhängigkeit von Medien 

 

Schlußwort der Gruppe 

 

Quellenverzeichnis 




Grundlagen der Biogastechnik



Biogas gestern und heute


Biogas ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern so alt wie das Leben auf unserer Erde. Neues Leben kann nur entstehen, wenn altes vergeht – ein Prinzip, das in der ganzen Natur gilt. Während die Sonne durch Fotosynthese neues Leben wachsen läßt, wird beim Absterben die organische Substanz, die vorwiegend aus Wasser, Eiweiß, Fett, Kohlenhydraten und Mineralstoffen besteht, in ihre ursprünglichen Bestandteile Kohlendioxid, Wasser, Mineralien zerlegt. Dabei wird Energie freigesetzt.

Neben den Abbauprozessen Verbrennen, Verdauen, Vergären und Verrotten ist das Verfaulen ein solcher Umwandlungsprozeß, bei dem Biogas entsteht.

 

 

Der allgemeine Verfaulungsprozess

 

Das Verfaulen organischer Stoffe geschieht unter Luftabschluß und im feuchten Milieu durch Methanbakterien bei Temperaturen zwischen 0 und 70°C. Im Gegensatz zur Kompostierung     ( Verrotten ) entsteht beim Verfaulen keine Wärme, dafür jedoch das brennbare Methangas. Außerdem werden Kohlendioxid und Wasser sowie einige Spurengase und Humusstoffe erzeugt.

Faulprozesse sind weit verbreitet: Im Schlamm der Meere, Flüsse und Seen treten sie ebenso auf wie in Sümpfen und Mooren, in nicht durchlüfteten Bodenschichten, Mülldeponien, Misthaufen, Gülle- und Klärgruben sowie beim Anbau von Reis. Im Wasser wird die Methanerzeugung in Form von aufsteigenden Gasblasen sichtbar. Je nach Vorkommen spricht man von Sumpfgas, Faulgas, Klärgas, Grubengas, Deponiegas oder im landwirtschaftlichen Bereich eben von Biogas.

Entweicht das Methan in die Luft, wird es nur sehr langsam unter dem Einfluß von Sonnenlicht, Ozon und sogenannter Radikale (sehr reaktionsfreudige HO- Moleküle) zu Kohlendioxid und Wasser oxidiert. Bis zur Industrialisierung blieben Methanproduktion und  - abbau im Gleichgewicht. Heute ist dieses Gleichgewicht nachhaltig gestört: Bei der Förderung von Kohle, Erdöl und Erdgas entweichen große Mengen Methan unverbrannt in die Atmosphäre. Hinzu kommen die großen Mengen Gas, die weltweit beim Reisanbau und durch Rinderhaltung freigesetzt werden. Dies führte in den letzten Jahrzehnten zu einem ständigen Anstieg der Methankonzentration in der Erdatmosphäre. Methan ist nach Kohlendioxid (50 % Anteil am Treibhauseffekt) der wichtigste Luftschadstoff und mit 20 % am Treibhauseffekt beteiligt. Außerdem verbraucht es bei der Oxidation Ozon und trägt damit auch zur Vergrößerung des Ozonlochs bei.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die technische Biogasgewinnung und – nutzung an Bedeutung, da sich auf diese Weise wenigstens die Emission von Methan bei der offenen Lagerung von Gülle und Mist einschränken läßt. Zusätzlich ist die energetische Nutzung von Biogas im Gegensatz zur Verbrennung von Erdgas, Flüssiggas, Öl und Kohle Kohlendioxidneutral, weil sich das entstehende Kohlendioxid im natürlichen Kohlenstoffkreislauf bewegt und von den Pflanzen wieder verbraucht wird. Es trägt dadurch also nicht zur Nettozunahme der Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre bei; das aus fossilen Rohstoffen stammende Kohlendioxid schon.

 

 

Die Historie


Die historischen Wurzeln der Biogastechnik

 

Die ersten systematischen Untersuchungen über Biogas begann der italienische Naturforscher Alessandro Volta, der sich auch mit dem elektrischen Strom beschäftigt hat (“Volt”!).Volta fing um 1770 Sumpfgas im Schlamm von Seen auf und machte damit Verbrennungsversuche. Der englische Physiker Faraday experimentierte ebenfalls mit Sumpfgas und identifizierte es als Kohlenwasserstoff. Aber erst 1821 gelang es Avogardo die chemische Formel für Methan (CH4) zu ermitteln.

 Auch der französische Bakteriologe Pasteur machte 1884 Versuche mit Biogas, das aus Mist gewonnen wurde. Er schlug erstmals vor, den Pferdemist des Pariser Fuhrparks zur Gasproduktion für die Pariser Straßenbeleuchtung zu verwenden.

Sehr starke Impulse erhielt der anaerobe Faulprozeß, als man Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte, dass mit diesem Verfahren Abwasser gereinigt werden kann. 1897 soll in einem Lepra-Krankenhaus in Bombay/Indien die erste Anlage gebaut worden sein, bei der das Gas zur Beleuchtung und ab 1907 zum Betrieb eines Motors für die Stromerzeugung genutzt wurde.

In Deutschland begann der Klärtechniker Imhoff ab 1906 im Ruhrgebiet konsequent mit dem Bau anaerober, zweistöckiger Abwasserreinigungsanlagen. Heute hat jedes größere Klärwerk eine anaerobe Stufe, wobei das produzierte Klärgas zur Aufheizung der Fermenter (Faulbehälter) oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt wird.

Bis zum 2. Weltkrieg machte die Klärgasnutzung rasche Fortschritte. Schwimmende Gasglocken, leistungsfähige Rührwerke und Heizsystheme zur Erhöhung der Faulleistung wurden entwickelt. Der Verkauf von Klärgas an die Stadtwerke spielte eine große Rolle. In dieser Zeit wuirden auch zunehmend Versuche gemacht, Klärgas als “heimischen Treibstoff” von Wasser, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff zu befreien, in Stahlflaschen zu verdichten und zum Antrieb von Kraftfahrzeugen zu verwenden.

Vor dem und im 2. Weltkrieg wurde in Deutschland wegen steigender Nachfrage nach “Treibgas” versucht, die Gasproduktion der Klärwerke durch Beigabe fester organischer Abfallstoffe (Speisereste, Getreide, Silage, etc.) zu erhöhen, also Verfahren anzuwenden, die wir heute als Kofermentation bezeichnen.1949 wurde in Stuttgart erstmals Fett aus Fettabscheidern mit gutem Erfolg beigegeben.

Auf Anregung von Imhoff  wurden in Halle Faulversuche mit beigemischten Abfällen wie Süßholzabfall, Panseninhalt, Lignin und Getreideabfällen durchgeführt. Während Lignin bei einer Verwilzeit von ca. 20 Tagen nur 19 Liter Gas pro kg Trockenmasse ergab, lieferte der Panseninhalt 158 l/kg, und Süßholz sogar 365 l/kg, letzteres allerdings bei einer Verweilzeit von 45 Tagen. Sehr detaillierte Kofermentationsversuche machte Dr. Franz Pöpel während der Kriegszeit in Holland. Schon damals wurde organischer Hausmüll in die Versuche mit einbezogen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Anfänge der landwirtschaftlichen Biogas-Bewegung

 

Erst in der Nachkriegszeit wurde die Landwirtschaft als potentieller Lieferant für Biogas entdeckt. Imhoff wies 1947 darauf hin, daß aus Stallmist einer einzigen Kuh hundert mal so viel Gas erzeugt werden kann wie aus dem Klärschlamm eines städtischen Einwohners. Darauf hin wurde noch im selben Jahr eine Biogasanlage für kleine landwirtschaftliche Betriebe entwickelt. Derartige Anlagen sind zum Teil nach mehreren Verbesserungen heute noch in Betrieb. Bis 1950 wurden stetig effektivere und größere Anlagentypen auf den Markt gebracht. Die Biogasexperten wählten jedoch die Bezeichnung “Biohugas”, um die Düngerwirkung des Faulschlamms zu betonen (Humus).Damals wurde ausschließlich Festmist verwendet, der in einer Vorgrube mit Wasser und Faulschlamm vermischt wurde, weil Aufstallungen für Flüssigmist/Gülle (Spaltenböden, Gitterroste) erst später aufkamen.

Die Gesamtzahl der in den 50er Jahren in der BRD erstellten Biogasanlagen dürfte bei 50 liegen, wobei aber viele nach kurzer Zeit wegen mangelhafter Funktion wieder stillgelegt  wurden. Gegen 1955 setzte die “Erdölschwemme” ein. Heizöl kostete damals 0,20 DM/l und die Preise fielen bis 1972 auf 0,08 bis 0,10 DM/l. Gleichzeitig stieg der Masseneinsatz von Mineraldünger. Alle Biogasanlagen wurden bis auf zwei stillgelegt, diese beiden Anlagen waren Pionieranlagen in der Geschichte der Biogastechnik.

 

 

Die Folgen der Ölkrise 1972/73

 

Die Biogasbewegung erfuhr einen neuen Aufschwung nach der Ölkrise im Jahre 1972/73. Das Kuratorium für Technik und Landwirtschaft, das sich von Anfan an um die landwirtschaftliche Biogastechnik bemühte, veranstaltete im März 1974 unter dem Eindruck der weltweit einstzenden Suche nach alternativen Energien ein Fachgespräch “Wie aktuell ist heute Biogas?” , bei dem auch schon Aspekte des Umweltschutzes einbezogen wurden. Zahlreiche Landwirte, Bastler, Erfinder, Firmen und Forschungsstellen begannen in den darauffolgenden Jahren, das Biogasverfahren weiterzuentwickeln. Sowohl damals wie auch noch heute gab es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle in der Verbreitung der Biogastechnik. Mit Abstand die meisten Anlagen   (ca. 80 %) fanden sich in Bayern und Baden Württemberg, der Rest verteilte sich auf die übrigen Bundesländer.Die Gründe für die starke Verbreitung in Süddeutschland waren vor allem in der Bedeutung der Tierproduktion, in der Betriebsgrößenstruktur und in der Beratung durch Biogasexperten zu sehen.

Kennzeichnend für diesen Zeitraum war die Anpassung und Verwendung der bereits entwickelten Gülletechnik für den Einsatz in der Biogastechnologie, wie z.B. die Nutzung vorhandener Güllebehälter, der Einsatz von Tauchmotorrührwerken oder die Umrüstung von Serienmotoren zu Blockheizkraftwerken.

Im Zeitraum von 1980 bis 1985 wurden die meisten Anlagen gebaut. Im Gegensatz zur ersten Biogasbewegung in den 50er Jahren wurden die Anlagen nicht mehr mit Festmist, sondern mit einstreuloser Gülle beschickt. Inzwischen hatten sich nämlich strohlose Aufstallungen mit Gitterrosten und Spaltenböden und entsprechende Flüssigmistverfahren durchgestzt. Dies brachte einerseits Erleichterung beim Mischen, Fördern und Rühren, andererseits aber auch geringere Gaserträge.

In der Zeit von 1985 bis 1990 ging der Bau neuer Anlagen spürbar zurück, aber nicht ganz. Hier sorgte vor allem die Bundschuh-Biogasgruppe mit ihren jährlichen Lehrfahrten dafür, das Interesse am Biogasverfahren zu erhalten.




Das Stromeinspeisegesetz  1990 und die Novellierung im Erneuerbaren Energiegesetz 2000


Ein weiterer Aufschwung für die landwirtschaftliche Biogasnutzung begann etwa 1990 durch die gesetzliche Regelung der Einspeisevergütung für Strom aus Biogas, unterstützt durch die zunehmende Recycling- und Kreislaufwirtschaft.

Durch die Novellierung des Stromeinspeisegesetzes im Jahr 2000 in Form des “Erneuerbaren Energien Gesetzes” (EEG), bei der eine höhere und gesicherte Vergütung für Strom aus Biogas Festgeschrieben wurde, hält dieser Aufschwung bis heute an. Laut EEG wird bei Anlagen mit einer installierten Leistung bis 500 kW der erzeugte Strom bei Netzeinspeisung mit mindestens 10 Cent pro kWh vergütet, bei Anlagen bis 5 MW mit 9 Cent pro kWh, darüber mit 8 Cent pro kWh.

Zusätzlich begünstigt wurde die neue Entwicklung zum einen durch intensivere Kofermentation, durch eine neue Generation preiswerter, kompakter Kraft-Wärme-Kopplungsaggregate, durch neue preisgünstige, dauerhaft verschweißte Gasspeicherfolien und durch die Entschwefelung mittels Lufteinblasen.

Auch die Wiedervereinigung hat neue Impulse gebracht. In der ehemaligen DDR gab es 9 Biogas-Großanlagen mit bis zu 9000 Kubikmeter Inhalt, von denen heute noch 4 Anlagen laufen. Jetzt können die ost- und westdeutschen Biogasfachleute Erfahrungen austauschen und zusammenarbeiten.

Bis ca. 1993 stieg der Bestand an Biogasanlagen in Deutschland auf über 250, davon befanden sich ca. 130 Anlagen allein in Bayern und ca. 80 in Badenmürttemberg.

Heute ist Deutschland gemessen an der Zahl der landwirtschaftlichen Biogasanlagen europaweit führend. Mittlerweile sind rd. 800 Anlagen in Betrieb ( nur 15 davon in Schleswig-Holstein!) und die Technik ist bis zur Serienreife verfeinert.


Gesetzliche Rahmenbedingung

Attraktivität erfährt der Markt für regenerative Energien durch die von den Gesetzgebern geschaffenen Rahmenbedingungen:

1.  Seit dem 1. April 1999 können BHKW-Betreiber durch das Ökosteuergesetz von der Stromsteuer befreit werden. Dies gilt aber nur, wenn die Verbrennungsmotoren eine Leistung von weniger als 2 MW und einen Monatsnutzungsgrad von über 70 % aufweisen.

 

2.   Das “Erneuerbare-Energien-Gesetz” schafft eine hohe Planungssicherheit für die Landwirtschaft. Es verpflichtet Netzbetreiber den mit Biogas produzierten Strom vorrangig abzunehmen.

Die Vergütung für Strom lag im Jahr 2001 bei der jeweiligen installierten elektrischen Leitung wie folgt:

bis 500 KW                              20 Pf/KWh

499kw - 5MW                          18 Pf/KWh

ab 5MW                                   17 Pf/KWh

 

3.   Die Regelung “Abfallverwertung hat Vorrang vor Abfallbeseitigung” zwingt die Erzeuger von biogenen Stoffen, ihren Abfall umweltverträglich zu entsorgen und begünstigt Bioenergie

 


Der Biogasprozeß


Der allgemeine Ablauf der Biogasgewinnung

 

Das organische Material wird im Rahmen der Kofermentation (Gülle mit Stroh, Gras, tierische Abfälle oder Hausabfällen etc.) in einem Vortank gesammelt und dort zur Reinigung von vermeintlichen Krankheitserregern für 7 Tage zur Versäuerung aufbewahrt.

Anschließend wird das Gasamtsubstrat in einen Fermenter (Faulbehälter) geleitet. Dieser Behälter ist von Luft und Licht abgeschlossen. Außerdem muß er eine gewisse Mindestgröße haben, gut wärmegedämmt sein und entsprechend dem Bedarf der  biogaserzeugenden Mikroorganismen beheizt werden.

Es gibt verschiedene Arten von Mikroorganismen, die das organische Material in Biogas zersetzten:

-  psychrophile Bakterienstämme mit einem Temperaturoptimum bei 15 °C und einer

   Verweildauer von 90 bis 120 Tagen

-  mesophile Bakterienstämme mit einem Optimum bei 55 °C und einer Fauldauer von 25 bis

   40 Tagen

-  thermophile Bakterienstämme mit einem Temperaturoptimum bei 55°C und einer Fauldauer

   von 10 Tagen

 

Je Höher die Temperaturoptima liegen, um so empfindlicher sind die Bakterien gegenüber Temperaturschwankungen, vor allem, wenn die kurzfristig auftreten und die Temperatur sinkt. In der Praxis bewährt haben sich die sogenannten mesophilen Mikroorganismen. Diese Bakterien sind recht unempfindlich, vertragen  tägliche Schwankungen von 2 bis 3 °C und haben zusätzlich noch eine relativ schnelle Abbaurate.

Unter den oben genannten Fermenterbedingungen setzen Mikroorganismen in einem mehrstufigen Prozeß das Substrat in Biogas und hochwertigen Naturdünger um. Wie lange dieser Vorgang dauert ist abhängig von den speziellen Mikroorganismen und deren optimalen Wachstumstemperaturen.

Schließlich wird das im Fermenter entstandene Biogas entnommen und in einen Speichertank geleitet, in dem es auch gereinigt wird. Bei seiner Verbrennung in einem Biomasseheizkraftwerk (BHKW) wird Strom und Wärme erzeugt, Biogas kann also fossile Brennstoffe ersetzen.

Der erzeugte Strom wird entweder für den Eigenbedarf genutzt oder ins Öffentliche Netz eingespeist. Die Wärme kann  sowohl für die Heizung und Warmwasseraufbereitug des Haushaltes benutzt werden als auch den Fermenter mit der nötigen Wärme versogen.

Die ausgefaulte Gülle bzw. das zurückbleibende Substrat, welches sich noch im Fermenter befindet, wird in einen Lagertank abgelassen und bei Bedarf als Düngemittel (Biodung) auf die Felder verteilt. Der Biodung ist ein aufgewerteter Naturdünger, der durch die bakterielle Versetzung beinahe geruchlos ist und bei dem die Ätzwirkung wie bei frischer Gülle nicht mehr vorhanden ist. Die Nährstoffe können so schneller von der Pflanze aufgenommen werden, was wiederum die Belastung des Grundwassers durch Nitrat vermindert.

 

 

 

 

 

Der Weg der Gülle zum Strom und zur Wärme

 

FEHLT                          




Chemische Erläuterungen


 Was ist “Biogas” genau?

Beim Faulen organischer Stoffe entsteht in erster Linie ein Gasgemisch aus Methan und Kohlenstoffdioxid. Hinzu kommen geringere Mengen von Wasserstoff, Schwefelwasserstoff, Ethan und Stickstoff.

Die Komponenten des Biogases sind:

         

           brennbares Methan                      CH4            55-70%

           nicht brennbares Kohlendioxid    CO2          30-45%

           Schwefelwasserstoff                    H2S          0-1%

           Wasserstoff                                 H2              0-1%

           Sauerstoff                                   O2             0-1%

           Stickstoff                                    N2             0-3%

 

Je höher der prozentuale Anteil des Methans im Biogas ist, desto höher ist die Qualität des Gases. Ab einem Methangehalt von 30% in einem Luft-Gasgemisch besteht Explosionsgefahr.

 

Das brennbare Gas Methan kommt in der Natur in großen Mengen bei gewöhnlichem Erdgas vor und wird meistens im Zusammenhang mit Erdöl gefunden. Über den Erdölfeldern befindet sich eine Kuppe, unter das Erdgas unter hohem Druckeingeschlossen ist. Das aus den Ölbildungsstätten aufsteigende Gas Methan wird demnach zu Erdgas.

 

Chemisch betrachtet besteht  Methan aus einem Kohlenstoffatom  C und 4 Wasserstoffatom  H4. Daher die chemische Bezeichnung CH4.

 




Herstellung von Biogas als ein Schüler-Experiment

 

Die Herstellung des Biogases erscheint einem viel komplizierter als sie eigentlich ist.

Natürlich spielen die oben genannten Faktoren eine wichtige Rolle beim Biogasprozess, das Grundprinzip läßt sich aber durch einen einfachen Versuch verdeutlichen.                                                          Um das brennbare Gas CH4 (Methan) zu erhalten, muss eine Biovergährung stattfinden.                                       

Die Biovergährung entsteht beispielsweise aus  Essensresten, wie Brot, Obst oder Gemüse oder anderen organischen Stoffen.                                                                                                                               Dieser Prozess ist geeignet für das Experiment.                                                                                                    

 

        Man benötigt für den Versuch eine Kunststoffdose mit einem gut verschließenden Deckel,

        der sich biegen läßt.

        In die Dose füllt man beispielsweise ein Butterbrot und Obstreste ( Äpfel, Birnen, 

        Orangen oder Bananen ohne Schale).

        Mit dem Deckel wird die Dose gut verschlossen.

        Nach einigen Tagen kann man erkennen, dass der Deckel sich in der Mitte hebt. Es hat  

        sich Gas gebildet, welches sich in der Dose ausbreitet. Auf diese Weise wird das 

        brennbare Biogas hergestellt.

        Noch deutlicher wird der Versuch, wenn man über ein Loch im Deckel einen Luftballon  

        stülpt. Der Ballon wird durch das Gas, welches durch das Loch in den Ballon entweicht,    

        aufgebläht wird.

 

Biogas - eine umweltfreundliche Alternative mit nur noch wenigen Hindernissen               

 

Ziele des Biogasverfahrens

 

Das Ziel der Erzeugung eines hochwertigen, vielseitig einsetzbaren und in jedem Leistungsbereich in Strom und Wärme umsetzbaren, umweltfreundlichen Energieträgers steht zweifellos an erster Stelle.

Über die Rangfolge der weiteren Ziele kann man streiten. Die Geruchsminderung ist bei ausreichendem Abbaugrad ein ganz entscheidender Gesichtspunkt, vor allem für Landwirte, deren Flächen in dichter besiedelten Gebieten liegen. Manchmal ist der Bau einer Biogasanlage entscheidende Voraussetzung dafür, dass überhaupt noch größere Tierbestände gehalten werden können.

Biogas wirkt beim Ausbringen als Kopfdünger auf wachsende Pflanzenbestände weniger ätzend als Rohgülle. Dies ist ein entscheidender Aspekt für viele biologisch wirtschaftende Betriebe.

Ein weiteres Ziel ist die Verbesserung der Fließfähigkeit der behandelten Gülle, was beim Rühren, Pumpen und Verteilen Vorteile bringt. Gegenüber der offenen Lagerungtreten in der geschlossenen Biogasanlage keine nennenswerten Verluste an Methan und Ammoniak auf.

Landwirte mit einer Biogasanlage tragen daher aktiv zur Lufteinhaltung bei. Weiterhin werden Nährstoffverluste vermieden, insbesondere Verluste an Stickstoff. Durch die Verringerung der Ätzwirkung wird die Pflanzenvertäglichkeit verbessert. Wachstumsschocks lassen sich auch bei größeren Gülle abgaben vermeiden. Außerdem wird eine Verbesserung der Pflanzengesundheit und damit eine Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes angestrebt.

Die hygienisierende Wirkung des Biogasprozesses spielt in letzter Zeit eine größere Rolle, insbesondere in schweinehaltenden Betrieben (Schweinepest) und bei der Verfütterung von Küchenabfällen und Speiseresten. Aber auch die Bekämpfung von Unkrautsamen ist ein Gesichtspunkt.

Von zunehmender und großer wirtschaftlicher Bedeutung ist die Kofermentation, da diese erhebliche Abnahmeerlöse erzielen können und einen zusätzlichen Düngerwert bieten.

Und letztlich kann es für einen großen landwirtschaftlichen Betrieb sehr wichtig sein, wenn die Hausabwässer preiswert in die eigene Biogasanlage eingeleitet und teure Kanalanschlußgebühren vermieden werden können (jedoch wird diese Abwasserentsorgung heutzutage nicht mehr gerne gesehen!)

 

! Eine Biogasanlage ist  wirtschaftlich nicht jedem landwirtschaftlichen Betrieb zu empfehlen. Finanziell tragbar (Investitions-, Betriebs- und Wartungskosten) ist eine solche Anlage erst ab Betriebsgrößen mit 150 Großvieheinheiten (GVE). Die spezifischen Investitionskosten (Euro  pro kW installierte Leistung) steigen bei Kleinanlagen stark an und können bei 5-kW-Anlagen über 12.500 Euro pro kW elektrischer Leistung liegen. Bei Anlagen über 160 kW sinken die spezifischen Kosten auf durchschnittlich 4.250 Euro pro kW elektrischer Leistung. Größere Anlagen bieten daher eine bessere Grundlage für Wirtschaftlichen Betrieb. Betriebs- und Wartungskosten sind pro Jahr mit ca. 2,5 % der Investitionskosten anzusetzen.

 

 

 

 

GVE: In der landwirtschaftlichen Biogastechnik wird mit Großvieheinheiten gerechnet, um die Menge des entstehenden Biogases aus den Fäkalien verschiedener Tiere besser vergleichen und die Anlage richtig dimensionieren  zu können.

Einer Großvieheinheit entsprechen etwa:

·      ein ausgewachsenes Rind

·      fünf Kälber

·      sechs Mastschweine

·      250 Hühner.

Pro GVE (Rind) entstehen z.B. ca.1,5 Kubikmeter Biogas am Tag.

 

 

 

Was muss man beim Erzeugen von Biogas beachten?

 

Da Biogas brennbar ist, müssen diverse Sicherheitseinrichtungen eingebaut werden:

·      Druckregler und Drucksicherungen

·      Rückschlagventile

·      Gasanzeiger

·      Flammenrückschlag- und Explosionssicherungen

 

Im Biogas befindet sich auch Schwefelwasserstoff. Dies ist ein giftiges Gas, das Tanks und Rohrleitungen angreift. Deshalb ist in der Regel eine Entschwefelung nötig. Durch das Einblasen von 3 bis 5 % Luft in den Gasbehälter wird der Schwefelwasserstoff in Wasser und elementaren Schwefel überführt. Der Schwefel kommt im Reststoff (Biodung), wenn er als Düngemittel verwandt wird, wieder dem Acker bzw. den Pflanzen zugute.

Betreibt ein Landwirt die Biogasanlage im Rahmen der Kofermentation, bei der auch Abfallprodukte aus Schlachthöfen und Molkereien hinzugegeben werden können,muss er folgende Aspekte beachten:

Es muss genug landwirtschaftliche Fläche zum Ausbringen der ausgefaulten Substratmenge zur Verfügung stehen.

Sauberkeit ist sehr wichtig. Einige Stoffe (z.B. Antibiotika, Reinigunsmittel, Konservierungsstoffe) hemmen das Wachstum der Mikroorganismen.

Feststoffe müssen zerkleinert werden, damit die Zuleitungen nicht verstopfen und ein optimaler Abbau gewährleistet ist.

Die Zusammensetzung des Ausgansmaterials sollte innerhalb bestimmter Grenzen immer gleich bleiben, da bei einem Wechsel die Mikroorganismen eine gewisse Zeit brauchen, um sich an das neue “Futter” zu gewöhnen.

 

Die Gülle muss ständig durchmischt werden, um einen guten Abbau zu gewährleisten. Möglichkeiten wären:

·      Mechanische Rührwerke

·      Umwelzpumpen

·      das Einspeisen von Biogas von unten in den Fermenter.

 

 

Standortvoraussetzungen

Es ist wichtig , dass eine konstante Energienachfrage vorhanden ist, denn eine Biogasanlage produziert das gesamte Jahr hindurch Energie. Eine Lagerung von großen Mengen Gas ist aus Kostengründen nicht möglich. Da in den meisten landwirtschaftlichen Betrieben der Energiebedarf nicht immer gleich bleibt, wird das Biogas meistens genutzt, um Strom zu erzeugen. Die dabei anfallende Wärme sollte, wenn möglich , im Betrieb verwendet werden oder es sind Abnehmer dafür vorhanden. Der Strom kann nach dem “Erneuerbare-Energien-Gesetz” ins Versorgungsnetz eingespeist werden und wird nach EEG vergütet.

 

Folgene Punkte sollten erfüllt sein, wenn man sich entschließt , eine Biogasanlage zu errichten:

1. ausreichendes Güllepotential muss vorhanden sein

    (ca 100 Großvieheinheiten sind nötig, um eine Biogasanlage wirtschaftlich betreiben zu  

    können)

2. möglichst gleichmäßig hoher Wärmebedarf

    (dafür bieten sich z. B. Wohnhäuser oder andere landwirtschaftliche Einrichtungen an)

3. hoher Eigenwärmebedarf im landwirtschaftlichen Betrieb verbessert die Wirtschaftlichkeit

4. Wird Kofermentation bei der Planung mit einbezogen , sollte die Zulieferung bzw.

     Vergütung der                                   

    organischen Abfälle gesichert sein, da sich eine solche Anlage verteuert.

5. Bei Anlagen mit Kofermentation sollte eine verkehrsgünstige Lage gewählt werden , da sie

    in der Regel größer ausfallen und das Material nicht vor Ort ausfällt.

6. Anlagen mit Vergärung von organishen Abfällen sollten nicht in unmittelbarer Nähe von

   Wohngebieten stehen.

 

 

 

Checkliste für potentielle Betreiber von Biogasanlagen

 

Das Folgende zeigt eine Checkliste zum Werdegang einer Biogasanlage für potentielle Betreiber von Biogasanlagen:

 

1.  Grundsätzliches Interesse an eigenerzeugter, regenerativer Energie und der

     Biogasanlagentechnik:

     Informationen einholen über den Fachverband Biogas e.V. (FVB), das Amt für

     Landwirtschaft und Ernährung (AfLuE), durch Fachzeitschriften und Bücher, über

     erfahrene Biogasanlagenbetreiber.

 

2.  Besichtigung von Biogasanlagen, möglichst von solchen, die unter ähnlichen

     Voraussetzungen arbeiten, wie sie der eigene Betrieb bietet.

 

3.  Klären der Wirtschaftlichkeit einschließlich Kostenaufstellung durch eine kompetente Stelle

    (z.B. AfLuE, Landtechnische Universitäten, Ingenieurbüros oder Hersteller von 

    Biogasanlagen). Wichtig ist, bei den Gas- und Stromerträgen keine Spitzenwerte, sondern

    Durchschnittswerte einzusetzen.

    Es besteht die Möglichkeit der Kontrolle solcher Berechnungen durch den Fachverband

    Biogas e.V. (FVB).

 

4.  Klären der Fördermöglichkeiten, z.B. über die Informationsschrift des FVB, über das

     AfLuE, Landtechnische Universitäten, Ministerien oder Zeitschriften. Die

     Förderprogramme sind meist unterschiedlich aufgebaut und stellen unterschiedliche

     Anforderungen an den Interessenten (z.B. Junglandwirt, ländlicher Raum, Umweltschutz,

     keine Kofermentation).

     Eines haben alle Förderungen gemeinsam: Es darf mit der Maßnahme nicht begonnen 

     werden, ehe die Förderzusage erteilt wurde.

 

5.  Möglichkeiten der Kofermentation prüfen:

     Sowohl für die Festlegung der Größe und Art der Biogasanlage als auch für die oben

     erwähnte Förderung ist entscheidend, ob Kofermentation (Vergärung von Zuschlagsstoffen

     zur Gülle/Festmist) betrieben werden soll. Wenn ja, dann ist wiederum entscheidend,

     welche Kofermentationsstoffe eingesetzt werden sollen.

 

6.  Liefervertrag für Kofermentationsstoffe:

     Grundsätzlich ist zu beachten, dass für die Lieferung der Zuschlagsstoffe entweder ein

     ordentlicher Vertrag mit einer Mindestlaufzeit von 5 Jahren abgeschlossen werden sollte,

     damit sich die zusätzlichen Kosten beim Bau der Biogasanlage oder der Verlust der

     Fördergelder auch amortisieren.

     Läßt sich kein Vertrag abschließen, muß die Biogasanlage sich auch nach Wegfall der

     Zuschlagsstoffe (z.B. nach einem halben Jahr) noch wirtschaftlich betreiben lassen. Will 

     man Kofermentation betreiben, ist eine Vollkostenrechnung aufzustellen. Diese sollte auch

    die Aufwendungen für die Vergärung, die Verstromung, die Lagerung und auch für die

    Ausbringung des Co-Substrate beinhalten. Nur auf die Reststoffvergütung, den zusätzlichen

    Gas- und Stromertrag zu schauen, wäre grundlegend falsch.

 

7.  Festlegen der Art und Größe der Biogasanlage:

     Sind alle obigen Punkte geklärt, kann mit der Auslegung der Biogasanlage begonnen  

     werden. Hierbei sollte berücksichtigt werden, ob sich der Bertieb bezüglich des

     Viehbestandes in den nächsten 5 bis 10 Jahren entscheidend vergrößern oder verkleinern

     wird. Anhand der Ausgangsmaterialien (Festmist oder Gülle, Abfallstoffe ja oder nein) ist

     ein geeigneter Anlagentyp auszuwählen.

 

8.  Planung und Genehmigung:

     Für den Bau einer Biogasanlage ist immer die Genehmigung der zuständigen Behörde

     erforderlich, selbst wenn es sich um die Umnutzung eines bestehenden Güllebehälters zum

     Fermenter handelt.

     Auch wenn der Maschinenraum in einem bestehenden Gebäude eingerichtet wird, ist hierfür

    eine Genehmigung erforderlich. Für eine genaue Planung sind erforderlich:

     * Lageplan M 1: 1000 und evtl. auch M 1: 5000;

     * Baupläne M 1: 100 oder kleiner, inkl. Schnitte , Grundriß und Ansichten;

     * Rohrleitungspläne mit Höhenangaben und Stücklisten (sofern eine Verrohrung zwecks

        Güllemanagement erforderlich ist);

     * Zeichnung der Einrichtung des Maschinenraumes mit den erforderlichen Installationen;

     * Heizungsschema mit Anbindung der Wärmeerzeuger und Verbraucher;

     * Stromflußdiagramm zur Einbindung des Blockheizkraftwerkes in den Betrieb;

     * Gasschema, Gasleitungsverlauf, Gasspeicher, Gassicherheitsstrecke.

 

9.  Einholen von Angeboten über Biogasanlagenteile:

     Für jedes Bauteil einer Biogasanlage gibt es mehrere Anbieter. Aus technischen und

     kaufmännischen Gründen ist es erforderlich, sich über die Vor- und Nachteile einzelner Produkte aufklären zu lassen.

Das Vergleichen von verschiedenen Angeboten verschafft einen guten Überblick über den Umfang der Leistung.

     Beim Anfordern der Angebote ist darauf zu achten, dass dem Hersteller der genaue

     Verwendungszweck sowie die Einsatzbedingungen mitgeteilt werden. Nur so kann er sich bei einem Defekt oder bei Totalausfall nicht aus der Verantwortung ziehen. Auch die Garantiebedingungen sind auszuhandeln (z.B. Beginn bei Auslieferung oder nach Einbau). Eine Betriebs- und Wartungsanleitung gehört zu jedem maßgeblichen Bauteil dazu.

 

10.Bau der Biogasanlage:

     Folgende Fragen sollten Sie sich beim Bau einer Biogasanlage stellen:

     * Wer ist für die termingerechte Beschaffung der benötigten Anlagenteile zuständig?

     * Wer übernimmt die Bauleitung, wer die Bauüberwachung?

     * Wer handelt die Anschlußbedingungen mit dem örtlichen Stromversorger aus?

     * Haben die Handwerker die Fähigkeiten und Zulassungen, Installationen an einer

        Biogasanlage vorzunehmen?

     * Wer weist die Handwerker in die Planung der Anlage ein?

     * Wer nimmt die Biogasanlage nach der Fertigstellung ab?

     * Wer prüft die gestellten Rechnungen auf Vollständigkeit oder unberechtigte Ansprüche?

     * Wer wickelt Garantiefälle ab?

     * Wer nimmt die Inbetriebnahme vor?

     * Wer weist Sie in die Anlage ein?

     * Wer erstellt Ihnen eine Betriebsanleitung passend für Ihre Anlage?

 

11.Nach der Inbetriebnahme:

     Folgendes ist nach der Inbetriebnahme der Biogasanlage zu erledigen:

     * Anmeldung der Biogasanlage beim Hauptzollamt. Unerheblich, ob Heizöl verwendet wird

        oder nicht. Beim Betrieb von Zündstrahl-Agregaten muß eine Genehmigung für die

        Heizölverwendung vorliegen

     * Fertigstellungsanzeige ans Landratsamt schicken.

     * Abnahmeprotokolle des Heizungs- und Gasinstallateurs sowie des Elektrikers an die

        Berufsgenossenschaft schicken. Die Biogasanlage wird im Rahmen der wiederkehrenden

        Prüfung durch die Berufsgenossenschaften abgenommen.

     * Inbetriebnahme des Blockheizkraftwerkes mit dem Energieversorgungsunternehmen

        vereinbaren und durchführen.

     * Eventuell Abschluß von Zusatzversicherungen.

     * Feststellen von Fehlern im Aufbau der Biogasanlage und Beheben bzw. Beseitigen der

       Ursache.

     * Wiederkehrende Messungen der Gasqualität bezüglich Schwefelwasserstoff- und

        Methangehalt.

 

12.Schriftverkehr:

     Für alle Zusagen, Abmachungen und sonstige Dinge, die verhandelbar sind, gilt in Deutschland nach wie vor das gesprochene Wort. Das Problem bei Unstimmigkeiten ist jedoch die Nachweisbarkeit (Lediglich ein Zeuge hat hier einen Nutzen). Aus diesem Grund empfiehlt es sich, alles schriftlich festzuhalten, auch wenn es anfänglich nicht erforderlich erscheint.

 

 

 

   Biogasanlagen in der Marktwirtschaft

 

Wirtschaftlichkeit/Finanzierung

 Um die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen beurteilen zu können, muss man Nutzen und Kosten gegenüberstellen. Dabei lassen sich die Kosten in feste ( Abschreibung, Zinssatz, Versicherung) und variable ( Wartung, Reparaturen, Betriebsmittel ) unterteilen.

Die Höhe der Investitionen ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Nicht nur die Anlagengröße wirkt sich deutlich auf die  Investitionskosten aus, sondern auch die Entscheidung für eine nahezu schlüsselfertige Biogasanlage oder eine individuell geplante Anlage.

Interessiert man sich für eine Anlage mit Kofermentation, muss man bedenken, welche zusätzlichen technischen Maßnahmen zur Aufbereitung der Reststoffe notwendig sind (z.B. Hygienisierungseinheit, Füll- und Pumpanlage).

In Abhängigkeit von Bauart, Größe, Qualität, Substrat, Anbieter u.v.m. ergeben sich Investitionen von 250 bis 1250 Euro pro Kubikmeter Faulraum. Dabei ist zu erkennen , dass landwirtschaftliche Eigenbauanlagen, die mit Unterstützung von Ingeneurbüros und Handwerkern gebaut werden, am günstigsten sind.

 

Wenn der Betriebszweig “Stromerzeugung aus Biogas” für Landwirte eine weitere Einnahmequelle sein soll, muss man die anfallenden Kosten und die Erträge gegenüberstellen . Allerdings lassen sich die Erträge aufgrund vieler Einflussfaktoren nur sehr schwer vorhersagen. Es muss insbesondere die erwartete Gasausbeute und der Wirkungsgrad des BHKW  besonders betrachtet werden. Auch ist ein Konzept der Abwärmenutzung unbedingt notwendig, um die Wirtschaftlichkeit der Anlage zu erhöhen.

            Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen besteht als zentrales Hemmnis bei der Umsetzung erneuerbarer Energien die mangelnde wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber konventionellen Energieträgern . Ohne Förderung werden nur wenige Anlagen wirtschaftlich investiert werden.

Ohne Förderung ist eine Investition wirtschaftlich für den Bauherrn nicht vertretbar. Es ist eine finanzielle Unterstützung im Rahmen von Förderungsprogrammen notwendig, um auch bei optimaler Planung und günstiger Ertragssituation einen positiven Kosten/Nutzen - Effekt zu erzielen, und um dem Landwirt als “Energiewirt” eine Ansporn für Aktivitäten in Richtung erneuerbarer Energien und nachhaltiger Entwicklung zu geben.

 

 

Funktion der Biogasanlage

 

Die Gülle gelangt in die Vorgrube (Anlage l) und wird dort mit einem Coferment, zum Beispiel Getreide, vermischt.  Das Substrat wird von dort aus, mittels einer Pumpe, in den Gärgasbehälter gepumpt.  Im Fermenter (Anlage 2) wird die Gülle auf ca. 38 'C erwärmt.  Diese Temperatur bietet ein optimales Klima für Mikroorganismen.  Die Mikroorganismen setzten die organische Substanz aus dem Substrat um, wobei das Gas entsteht.  Die Höhe des Methangehaltes im Gas ist ausschlaggebend für die Zündfähigkeit des Gases, es werden 60 angestrebt.

Die vergorene Gülle wird bei neuer Substratzugabe aus dem Gärgasbehälter verdrängt.  Das Gas gelangt in den Gasspeicherraum (Anlage 3), welcher zwischen BHKW und Fermenter geschaltet ist, um bei schwankenden Gaserträgen einen Puffer zu bilden.  Das BHKW (Anlage 4) verbrennt das Methangas und erzeugt durch einen gekoppelten Generator Strom.  Die dabei anfallende Wärme wird für die Beheizung des Fermenters genutzt (Anlage 5). Überschüssige Wärmemenge kann für andere Endverbraucher genutzt werden, wie zum Beispiel zur Beheizung von Wohnhäusem oder zur Getreidetrocknung.

Bei einem Zündstrahlaggregat ist der Methangehalt des Gases nicht so ausschlaggebend, da per Heizöl ein Zündfunke vorgegeben wird, der Anteil des Heizöles kann zur Verbrennungshilfe erhöht werden.  Dieses ist jedoch aus 2 Aspekten nicht sinnvoll zum einen wegen der Wirtschaftlichkeit (steigende Heizölkosten) und zum anderen wegen des Zweckes (keine Altemativenergie).  Bei Gasmotoren ist es anders, unterschreitet hier der Methangehalt die 50 '/o Marke kann der Gasmotor das Gas nicht mehr verbrennen, da er ein Selbstzünder ist.  Das auf dem Betrieb eingesetzte BHKW ist ein Zünstrahlaggregat mit einer elektrischen Leistung von 55 kW.  Die Größe ist so gewählt, daß Rindergülle mit Cofermenten eingesetzt werden müssen, um eine Wirtschaftlichkeit zu erzielen.

 

 

 Material und Methode

 

Um einen Überblick über unterschiedliche Betriebsarten zu bekommen, wurden im Rahmen der Untersuchung Maissilage und Getreide als Coferment eingesetzt.  Die Durchführung wird im Folgenden beschrieben.

 

 Beobachtung der Anlage

 

Es wurden regelmäßig erfaßt:

·      Temperaturen im Fermenter, (täglich)

·      Gaserträge und -qualität, (täglich)

·      Mengen und Inhaltsstoffe der zugeführten Substrate, (nach Substratumstellung)

·      Betriebsdaten des Zündstrahl-BHKW wie Betriebsstunden, Stromproduktion und Zündölverbrauch, (täglich)

·      Inhaltsstoffe des ausgefaulten Substrates. (nach Eingewöhnungsphase)

 

Zur Bestimmung der Gasqualität ist der Anteil von CH4 und des schädlichen Spurengases H2S von besonderem Interesse.  Dazu wurde von der LUT (Landwirtschaftskammer Schleswig­Holstein (Land- und Umwelttechnik»ein Meßgerät eingesetzt.

Die Substrate wurden vor und nach der Vergärung im Labor der Fachhochschule Kiel Fachbereich Landbau in Osterrönfeld analysiert.

 

 

Zeitrahmen

 

Bei jeder Substratumstellung ist mit einer Einfahrphase von mindestens 4 Wochen auszugehen, in der sich Umsetzungsvorgänge und Gasproduktion stabilisieren müssen.  Messungen haben in dieser Zeit kaum Aussagewert hinsichtlich der Stabilität der Prozesse und können teilweise vernachlässigt werden.

Die eigendliche Meßphase im kontinuierlichen Betrieb soll mindestens 3 Wochen umfassen.  Für jedes Substrat sind also mindestens 7 Wochen einzuplanen.  Die Untersuchung des Grundsubstrates Rindergülle und 2 verschiedene Kosubstrate erstrecken sich folglich über mehr als 5 Monate.  Hinzu kommen Vorbereitung, Anfahrphase und Auswertung.

 

 

 Beschickung der Anlage

 

Das Substrat Rindergülle wurde über den gesamten Zeitraum in die Biogasanlage gefahren.

Es dient zum einen als Transportmittel für Cosubstrate und hat dabei selbst einen guten

Nutzen zur Gasproduktion.

Die Rindergülle wurde ab dem 16.  September (l.  Untersuchungstag) bis zum 94.  Untersuchungstag mit dem Cosubstrat Maissilage vermengt.  Am Tag wurden im Durchschnitt ca. 10 Kubikmeter Rindergülle mit einem Maisanteil von 700 kg pro Tag gefüttert.  Die Daten wurden ermittelt:

·      durch das Auslietem der Vorgrube mit einem Güllewagen und

·      die Gewichtserfassung des Cosubstrates durch die Nutzung eines Futtermischwagens

     mit Wiegeeinrichtung.

Vom 95.  Untersuchungstag an wurde Roggen als Coferment eingesetzt.  Die

Beschickungsmenge des Gemisches betrug im Durchschnitt 10 Kubikmeter Rindergülle am Tag, wovon in den ersten 8 Untersuchungstagen 80 kg gemahlener Roggen zugeführt wurde.  Der Anteil wurde dann für die weiteren 12 Tage auf 1 00 kg am Tag erhöht.  Dieser Versuch wurde nach 18 Tagen abgeändert, da die Gasqualität sich deutlich verschlechterte und zur Schädigung des Aggregates hätte führen können.  Fortgefahren wurde, über einen Zeitraum von 5 Tagen, mit einer Vermengung, von Rindergülle, Maissilage und gemahlenem Roggen, in einem Verhältnis von 10 Kubikmeter Gülle, 100 kg Roggen und 200 kg Mais am Tag.  Dieses führte jedoch zu keiner wesentlichen Verbesserung, somit wurde der Versuch mit Getreide am 9. Januar abgebrochen.  Zwischen diesen beiden Untersuchungszeiträumen wurde 6 Tage lang nur Rindergülle gefüttert, um einen Basiswert zu erhalten.  Dieser Zeitraum konnte von 3 Wochen auf 6 Tage gekürzt werden, da sich der Prozeß sehr schnell umgestellt hat.  Nach diesen beiden Untersuchungszeiträumen wurden nicht mehr ausschließlich nachwachsende Rohstoffe gefüttert.  Ab dem 122.  Untersuchungstag wurden Rindergülle, Maissilage und Getreideschlempe der Anlage zugeführt.  Die Zusammensetzung war hier 10 Kubikmeter Rindergülle mit 400 kg Maissilage und 2.400 Liter Getreideschlempe am Tag.  Dieses erstreckte sich über einen Zeitraum von 34 Untersuchungstagen.  Ab diesem Zeitpunkt (12.  Januar) werden der Biogasanlage, zusätzlich zur letzten Ration Agroindustrieabfälle zugeführt.  Diese Abfälle sind z.B. Molke, Melasse, Heilkräuter und Ölsattenrückstände sowie Trester.  In unserem Fall werden Kirschblätter, die mit Alkohol versetzt wurden, in die Biogasanlage gefahren.

 

 

 Gülleproben

 

Zu jedem Produktionsabschnitt wurden Gülleproben entnommen.  Diese wurden aus:

·             dem Gärprozeß,

·             dem vergorenen Substrat,

·             der unvergorenen Gülle und

            dem angemischten Substrates aus der Vorgrube,

gezogen und im Labor der Fachhochschule analysiert.  Die dadurch entstandenen Ergebnisse sind mit den allgemeinen Ergebnissen der Landwirtschaftskammer, die diese in einer Tabelle aufgeführt hat, gleich zu setzten.

 

 

Probleme

 

Probleme bestanden darin, das die Anlage erst seit August im Gasbetrieb läuft, d.h. da sich noch kein Prozeß stabilisiert hat.  Zudem traten Probleme mit der Technik auf, mit der man noch nicht so vertraut war.  In den meisten Fällen waren es nur kleine Ursachen, die selbst zu beheben waren, jedoch fiel das Aggregat mehrmals für mehrere Stunden aus.  Zudem stammt das Aggregat aus der Nähe des Bodensees, so dass kein Monteur vor Ort ist.  Die Modemübertragung konnte erst im Februar 2002 in Betrieb genommen werden, welches diese Problematiken lindern soll.  Ca. 90 % der aufgetretenen Störfälle sollen somit gleich erkannt und behoben werden können.

Ein weiterer Punkt ist, das sämtliche Einstellungen, wie zum Beispiel:

·             Rührzeiten im Fermenter, um eine Schwimmschichtbildung zu vermeiden,

·             die Leistung des Aggregates, um eine optimale Wärmeverteilung und Stromerzeugung 

            zu haben,

·             die Entschwefelung, um das Aggregat nicht zu schädigen,

            Einstellung des Über- und Unterdruckwächters, um den Gasspeicher nicht zu  

            beschädigen und kein Gas entweichen zu lassen, sowie es im Bereich der

            elektronischen Erkennung ist,

·             Beschickung und Umstellung des Substrates, wenn hier zu schnell agiert wird, kippt der

            Prozeß um,

auf individuellen Erfahrungswerten beruhen, denn keine Anlage ist mit einer anderen Anlage zu vergleichen. Also werden vielfach Mindererträge durch falsche Einstellungen verursacht.  Diese Fehler werden erst im Laufe der Zeit minimiert.

 

 

Produktionsergebnisse

 

In dieser Grafik (Abb.1) ist der Gasertrag und die damit verbundene Entwicklung in und nach der Anfahrphase zu erkennen. Es zeichnen sich hier auch einige technische Probleme ab, indem die Kurve sehr starken Schwankungen unterliegt.

(Abbildung 1)

 

 

 

FEHLT

 

 

Ein weiterer Grund für Schwankungen in der Grafik ist, dass die Notierung der Werte zwar konstant war, jedoch das Aggregat nicht 24 Stunden am Tag in Betrieb war und somit von Tag zu Tag unterschiedliche Ergebnisse vorhanden sind, die sich im Mittel aber angleichen. In den ersten 36 Tagen der Messung wurde nur das Substrat Rindergülle in der Biogasanlage gefahren. Das Gas hat hier eine Qualität, welches in Methan- und Schwefelgehalt gemessen wird, von ca. 60% CH4  und 150 ppm H2S. Der Schwefelgehalt des Biogases ist wichtig für die Lebensdauer des Motors. Ist er zu hoch, wird der Motor geschädigt. Der Schwefelgehalt wird durch eine Entschwef